Surface I

( im Kontext der Gruppenausstellung "Berlin am Meer" bei Stephan Westphal in 2009 )

Zum Titel:

Die Wasseroberfläche beschreibt eine Grenze. Eine Schnittstelle zwischen zwei Elementen, zwei Zuständen. Die Luft ist unser gewohnter, normaler Lebensraum. Das Wasser ist im Vergleich eher ungewohnt und fremd. Zum Einen fasziniert uns dieses Element: Schwimmen, tauchen, auf der Wasseroberfläche treiben. Zum Anderen hat Wasser etwas ewiges, unheimliches und unergründetes an sich und wird ja auch mit unserem Unterbewusstsein in Verbindung gebracht. Mir fallen dazu auch die Arbeiten von Hiroshi Sugimoto ein. Das englische Wort (ich bin ja auch zur Hälfte Engländer) ist wie so oft allgemeiner.

Zur Arbeit:
Werden und Vergehen, wie es in der Einladung steht, bilden des öfteren eine Grundlage meiner Arbeiten. Dies gilt sowohl formell als auch inhaltlich. Ich suche oft nach einem Moment in meinem Bild, an dem ich ein Gleichgewicht finde: zwischen der Entstehung, der Kreation eines Bildes und der Auflösung eines Motivs. In dieser konkreten Arbeit werden Fragmente zweier Taucher abgebildet. Die Fragmente erscheinen zunächst etwas unzusammenhängend, doch nach einer genaueren Betrachtung kann man die Teile als Ausschnitte eines Bildes erkennen. Man schaut von schräg oben auf einen Taucher mit gelben Helm, der an der Wasseroberfläche treibt. Man erkennt den gelben Helm/Kopf, oben die rechte Hand, unten, unter Wasser, die linke Hand und links, teilweise über, teilweise unter der Oberfläche die Taucherflossen.
          Der andere Taucher, von dem nur der Kopf und der rechte Arm abgebildet sind, befindet sich oberhalb des gelben Helms. Der Rest dieses Tauchers ist nicht zu sehen, scheint im Wasser zu verschwinden. Seine Hand fasst an den Helm.
         Ob es sich in dieser Szene um einen Kampf, eine Übung oder um eine Rettungsaktion handelt, bleibt offen.
Berlin ist für mich ein ständiger Ort des Wandels. Durch die Geschichte: Kaiserreich, erster Weltkrieg, goldene zwanziger, zweiter Weltkrieg, geteilte Stadt, Insel, Wiedervereinigung, hoch verschuldet, Kulturmetropole ...
Berlin am Meer löste zwei Bilder oder auch Assoziationen bei mir aus: Sehnsucht nach Urlaub und surreale als auch reale Bedrohung ( Was ist, wenn das Meer wirklich steigt, und eines Tages Berlin erreicht ). Im Taucher fand ich eine Figur, die diese beiden Ideen in sich aufnimmt. Die Fragmentierung hat mir in Kombination mit dem Motiv zudem die Möglichkeit gegeben, Wasser zu thematisieren, ohne es direkt abbilden zu müssen.

Die Zerteilung/Auflösung des Bildes sowie die unklare Handlung der beiden Taucher steht für den Übergang von einem Zustand in einen anderen, den Wandel, dem Berlin unterworfen ist. Dieser Wandel, diese ständige Veränderung ohne klare Strukturen, zum Teil auch ohne Werte, ist meiner Meinung nach auch ein Merkmal unserer Zeit.
 
 
 
achim riethmann
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